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ÖNORM M 7140

Normbezeichnung:

ÖNORM M 7140 (Ausgabe 2021)

Titel:

Betriebswirtschaftliche Vergleichsrechnung für Energiesysteme nach dynamischen Rechenmethoden

Einsatzbereich:
  • betriebswirtschaftlichen Vergleichsrechnung von Investitionen bzw. Anlagen
  • Ausschreibung von Investitionen
  • Auswahl des wirtschaftlichsten Systems
  • Alternativenprüfung hocheffizienter Systeme
  • Ermittlung von Lebenszykluskosten
Rechenverfahren:

Betriebswirtschaftlichen Vergleich mittels einer dynamischen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von mehreren zur Auswahl stehenden Energiesystemen.

Ermittelt werden:

  • Gesamtkosten und den Gesamtkostenverlauf
  • Annuitäten
  • Amortisation (2 Methoden)
  • Sensitivitätsanalysen
Gültigkeit:

seit 15.1.2021

Ersatz für:

ÖNORM M 7140 (Ausgabe 2013)

Norm-Zusammenhänge:

ÖNORM M 7140 ist der nationale Anhang zur ÖNORM EN 15459-1 (2017)

Normkonforme Software:

PokornyTec Wirtschaftlichkeit

Deckblatt ÖNORM M 7140 Die neue ÖNORM M 7140

Die neue ÖNORM M 7140

Wirtschaftlichkeit von haustechnischen Anlagen und mehr

Wirtschaftlichkeitsvergleiche werden schon lange nach ÖNORM M 7140 und EN 15459 durchgeführt. Ebenfalls geeignet sind diese Normen zur Ermittlung von Lebenszykluskosten und Alternativenprüfungen hocheffizienter Systeme. Nun ist am 15.1.2021 eine stark überarbeiteter Ausgabe der ÖNORM erschienen. Im Folgenden ein detaillierterer Blick auf die Norm sowie die Neuerungen und Änderungen.

Deckblatt ÖNORM M 7140 Die neue ÖNORM M 7140

Die ÖNORM M 7140 definiert grundsätzlich das Normrechenverfahren von Wirtschaftlichkeits­berech­nun­gen für haustechnische Systeme (Heizung, Kühlung, Klimatisierung, Lüftung, Warmwasser­bereitung etc.). Es wurde bei der Erstellung der Norm allerdings darauf geachtet, dass das Rechenverfahren der Norm allgemein gültig gehalten ist und daher auf einem sehr viel breiteren Gebiet Anwendung finden kann.

Anwendungsbereich

Mit dem dynamischen Rechenverfahren der ÖNORM M 7140 werden die zukünftigen Kosten von Anlagen über deren Nutzungszeitraum (z.B. 25 Jahre) ermittelt. Dies erfolgt durch Einrechnung aller einmaligen und wiederkehrenden Kosten, abzüglich von Restwerten (von Komponenten, deren Nutzungszeitraum über das Ende des Betrachtungszeitraums hinausgeht), Erlösen und sonstigen kostenmindernden Positionen. Am Ende erfolgt dann der Vergleich der zur Wahl stehenden Systeme.

Im Unterschied zu den einfachen statischen Verfahren berechnet das dynamische Normverfahren ausführlich die verschiedenen Preissteigerungen und Zinsen für jedes Jahr („Zinseszinsrechnung“ etc.), wodurch die Berechnungen deutlich komplexer, aber auch deutlich realistischer und genauer werden.

ÖNORM M 7140 liefert als Ergebnisse:

  • die Gesamtkosten und den Gesamtkostenverlauf über den Nutzungszeitraum,
  • die jährlichen Kosten (Annuitäten),
  • die Amortisation beim Vergleich von zwei oder mehr Anlagen (2 Methoden) sowie
  • Sensitivitätsanalysen für diverse Parameter.

Annuität und „durchschnittliche Kosten“ sind nicht das Gleiche

Bekanntes Beispiel: Kreditrückzahlung. Bei der sehr üblichen Form einer Kreditrückzahlung mit einem über die Jahre gleichbleibenden Betrag, ist die Annuität – genauer „konstante Annuität“ – genau dieser gleichbleibende Betrag. Bei Annuitäten werden also über den ganzen Betrachtungszeitraum gleichbleibende Zahlungen eingerechnet. Diese Annuität entspricht nicht den „durchschnittlichen Kosten“ (Gesamtkosten gebrochen durch den Betrachtungszeitraum), da bei den Gesamtkosten recht unterschiedliche Zeitpunkte der Zahlungen eingerechnet werden (je nachdem, wann Kosten anfallen). Durch die Preissteigerungen und den Zinssatz weichen diese beiden Werte voneinander ab. Ohne Preissteigerungen und Zinssatz wären die beiden Werte gleich.

Die Norm enthält nun in der neuen Fassung eine genaue Definition, worum es sich bei Annuitäten handelt. Zitat ÖNORM M 7140, Abschnitt 7.5:
„Die Annuität drückt aus, welche gleichbleibende (d.h. in konstanter Höhe) jährliche Zahlung erforderlich ist, um alle über den Betrachtungszeitraum einzurechnenden Kosten (abzüglich kostenmindernder Positionen) begleichen zu können. Da die Annuität (im Gegensatz zum Barwert) eine periodenbezogene Größe ist, ändert sich bei dieser Zahlungsmethode die Gesamthöhe der Zinsen. Somit ist die Summe der Annuitäten nicht gleich dem Gesamtbarwert, sondern die Summe der Barwerte aller Annuitäten sind gleich dem Gesamtbarwert.

Aufgrund der Preisentwicklung und des Zinssatzes ist die Annuität somit auch nicht gleich dem einfachen Durchschnittswert der Kosten (d.h. sie ist nicht gleich den Gesamtkosten, dividiert durch den Betrachtungszeitraum). Die Annuität berücksichtigt aber wie der Barwert die unterschiedlichen Zeitpunkte der Kosten.“


Annuität: gleichbleibender jährlicher Betrag, der zB zur Rückzahlung eines Kredits mit konstanten Raten nötig ist. Hier sieht man die Zahlungen über 20 Jahre zum Jahresende (d.h. nachschüssig) mit den jeweils eingerechneten Zinsen.

Nutzen

Für den betriebswirtschaftlichen Vergleich von mehreren zur Auswahl stehenden Systemen ist die Norm prädestiniert. Durch die dynamische Berechnungsmethodik sind deutlich realistischere Aussagen möglich, als wenn einfach nur alle Kosten und Erlöse summiert werden würden. Sie liefert so eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Wahl des günstigsten Systems. Darüber hinaus kann mit Hilfe des Gesamtkostenverlaufs abgeschätzt werden, ob Zeitpunkte und Höhen der anfallenden Kosten (über den Betrachtungszeitraum gesehen) günstig liegen.

Eine entsprechende Auswertung und ansprechende grafische Darstellung der Ergebnisse können so wichtige Argumente für das Verkaufsgespräch mit Kunden liefern. Für die Berechnungen selbst bietet die Norm Planern Unterstützung durch klare Hinweise, Vorgangsweisen und Vorschlagswerte.

Alternativenprüfung und Lebenszykluskosten

Die ÖNORM M 7140 ist ebenfalls für die Alternativenprüfung hocheffizienter Systeme geeignet und kann in weiterer Folge in Abhängigkeit von den jeweiligen rechtlichen Vorgaben zum Nachweis eingesetzt werden.

Optimal ist das Normverfahren weiters zur Ermittlung von Lebenszykluskosten, wobei die Norm bei der Wahl der Systemgrenzen und Kostenpositionen größtmögliche Freiheit lässt.

Neuerungen

Die Norm wurde grundlegend überarbeitet. Inhalt und Struktur der Norm wurden an die Vorgaben der EN 15459-1 angepasst, Unsauberkeiten entfernt. Darüber hinaus ist die Berechnungsmethode erstmals im normativen Teil umfassend festgelegt, inkl. aller nötigen Formeln.

Die Entsorgungskosten werden nun anteilig eingerechnet (im Verhältnis von Nutzungsdaueranteil innerhalb und nach der Betrachtungszeit). Die bisherige Einrechnung der Entsorgungskosten, die innerhalb des Betrachtungszeitraums liegen und gleichzeitig Nicht-Einrechnung aller Entsorgungskosten, die nach dem Betrachtungszeitraum anfallen, darf nicht mehr angewendet werden. Damit ist ausgeschlossen, dass ein leichtes Verändern des Betrachtungszeitraums zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen führt. Ob überhaupt Entsorgungskosten eingerechnet werden, diese Entscheidung liegt selbstverständlich nach wie vor in der Verantwortung des Berechners.


Zwei der Formeln für die Entsorgungskosten – die Berechnung erfolgt nun anteilig

Der Inhalt des zu liefernden Berichts ist ebenfalls definiert. Wichtig war festzulegen, dass alle Quellen der Eingangsdaten (Norm, Angebote etc.) anzugeben sind. Die Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit von normgemäßen Berechnungen wurden damit wesentlich verbessert.

Die ÖNORM M 7140 ist die nationale Ergänzung und Umsetzung der EN 15459-1. Da die EN überarbeitet wurde, waren über die vom Ausschuss gewünschten Änderungen der ÖNORM hinaus auch entsprechende Anpassungen der ÖNORM an die neue EN notwendig. Beispielsweise wurde die vorschüssige Berechnungsmethode entfernt. Es wird jetzt ausschließlich – wie in der Praxis üblicher und von der EN eben vorgegeben – nachschüssig gerechnet.

Sensitivitätsanalysen

Von der neuen ÖNORM empfohlen werden Sensitivitätsanalysen (d.h. Ermittlung der Auswirkungen auf die Ergebnisse bei Änderungen von Parametern, wie z.B. der Energiepreise), da sie wertvoll für die Interpretation der Ergebnisse sind. Sie zeigen die Auswirkungen von veränderten zukünftigen Entwicklungen im Vergleich zu den getroffenen Annahmen. Ein wichtiger Punkt dabei ist, ob das Ergebnis stabil ist (d.h. ob das als günstigstes ermittelte System auch mit – in einem gewissen Bereich – veränderten Parametern weiterhin das günstigste bleibt). Weiters können sie zeigen, mit welchen Gesamtkosten bei veränderten Parametern zu rechnen ist. Unter diesem Gesichtspunkt wird die Nutzung von Softwareprodukten, die Sensitivitätsanalysen ohne Mehraufwand durchführen, wesentliche Vorteile für den Anwender bringen.

Validierung von Softwareprodukten

Durch die Ergänzung um ein Validierungsverfahren inkl. Validierungsbeispiel ist nun die Normkonformität von Softwareprodukten für jeden Anwender klar und einfach überprüfbar. Selbst die empfohlenen Sensitivitätsanalysen werden durch das Validierungsverfahren abgedeckt.

Nutzungsdauern und Instandhaltungskosten

Nicht mehr enthalten ist der informative Anhang mit Nutzungsdauern und Instandhaltungskosten für die verschiedenen Anlagen und Komponenten. Hier wird auf den entsprechenden Anhang der EN 15459-1 verwiesen.


Für Nutzungsdauern (=Lebensdauer nach EN) und Instandhaltungskosten wird auf die EN 15459-1 Anhang D verwiesen

Auswirkungen der Neuerungen und Beispielergebnisse

Die neuen Festlegungen führen zu teilweise veränderten Ergebnissen gegenüber der bisherigen Norm. Wie stark sich das in der Praxis auswirkt, wird sich zeigen.

 



Gesamtkostenverlauf und Amortisation: die zwei Methoden (Durchschnittsmethode und Kumulationsmethode) sind in der neuen ÖNORM M 7140 nun klar definiert

 



Gesamtkosten und Annuitäten beliebig vieler Systeme im Vergleich